Die Hängematte als Exportschlager

Als Christoph Kolumbus 1492 Amerika entdeckt hatte, kam die Kunde von den sagenhaften Schätzen der Neuen Welt nach Europa. Die spanischen Konquistadoren zogen aus, um Gold und Silber zu erbeuten. Über fast zwei Jahrhunderte sicherten die Edelmetalltransporte aus Amerika der spanischen Krone Reichtum und Macht. Aber aus der Neuen Welt kamen auch Produkte, die das alltägliche Leben in Europa veränderten.

Am grundlegendsten war wohl die Ernährung betroffen, die sich im 18. und 19. Jahrhundert vom traditionellen Getreide auf Kartoffeln umstellte. Aber auch neue Annehmlichkeiten hielten Einzug. Als Erstes erkannten die Seeleute den Vorteil der Hängematte, die sie auf den Westindischen Inseln kennengelernt hatten. In den engen Schiffsräumen boten die aufhängbaren und leicht zu verstauenden Schlafstätten der Indios die ideale Alternative zur bisherigen Praxis. Das freie Schweben nahm den harten Bewegungen des Schiffes zudem noch den störenden Charakter beim Schlafen.

Als allgemeine Schlafstätte hat sich die Hängematte nicht durchgesetzt. Dazu waren die Bedingungen in Europa, wo man selbst in den südlichen Ländern kaum im Freien schläft, nicht gegeben. Erschwerend kommt hinzu, dass sich bis heute die ursprüngliche Liegeweise, nämlich diagonal oder quer in der Hängematte, außerhalb Amerikas kaum verbreitet hat. Aber als komfortable Ruhezone ist die Hängematte äußerst beliebt. Im Garten oder im Urlaub bietet die Hängematte oder auch ein Hängesessel eine angenehme Möglichkeit für die Erholung in der Natur. Wenn es im 16. Jahrhundert schon möglich gewesen wäre, einen internationalen Markenschutz durchzusetzen, hätte auch ein Hängematten-Monopol unermesslichen Reichtum bringen können – und zwar bis in die Gegenwart und darüber hinaus.

Comments are closed.