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Warum Fernsehen schlecht ist

Erstellt von Haris am Freitag 14. März 2008 Schrift VERGRÖSSERN

Die erste Frage, die ich jemandem stelle, der behauptet keine Zeit zu haben, ist: “Wieviele Stunden am Tag siehtst du fern?” Meistens liegt die Antwort zwischen zwei und sechs Stunden am Tag. Das heißt im Grunde verschwendet die Mehrheit der Leute jeden Tag einige Stunden vor einem Apparat mit vielen Bildern.

Ich möchte hier niemandem zum Nicht-Fernsehen überreden oder missionieren, aber Fernsehen ist der größte Zeitverschwender in unserer Gesellschaft. Vor über drei Jahren habe ich meinen Fernseher in den Keller gebracht und in meiner heutigen Wohnung habe ich überhaupt keinen. Ich habe mit diese unproduktive und zeitraubende Gewohnheit vollständig abgewöhnt.

Doch warum ist Fernsehen so schlecht für uns?

Der wichtigste Grund ist, dass die Zeit favor völlig ungenutzt vergeht. Vor dem TV-Gerät werden wir passiv und unsere Energie wird geringer, je länger wir sitzen bleiben. Wir lehnen uns zurück und lassen die Welt an uns vorbeiziehen. Wenn wir den Fernseher schon eingeschaltet haben, wollen wir wenigstens durch alle Sender zappen, um zu sehen, ob “etwas Interessantes” läuft. Und wieder haben wir 10 Minuten sinnlos vergeudet.

Manche Menschen sagen: “Beim Fernsehen kann man doch auch viel lernen und fremde Kulturen kennenlernen.” Es ist richtig, dass es Programme mit guten Inhalten und wenn man sucht findet man Gymnastiksendungen und Sprachkurse. Das Problem ist nur, dass niemand diese Sendungen schaut und selbst wenn Sie zu diesen Menschen gehören, dies ich nur ausgewählte Sendungen ansehen, schalten Sie früher oder später auf einen Actionfilm oder ein Drama.

“Argwöhnisch wacht der Mensch über alles, was ihm gehört. Nur die Zeit läßt er sich stehlen, am meisten vom Fernsehen.”

Linus Carl Pauling, amerik. Chemiker und Nobelpreisträger

Die Dinge, die man im Fernsehen lernt, stehen im Verhältnis von 1:99 zu den Inhalten, die vollkommen nutzlos sind. Das heißt bei den meisten Leuten kommen auf eine Stunde mit guten, informativen Inhalten 99 Stunden, die reine Zeitverschwendung sind. Außerdem sind die Informationen in Dokumentationen, sogenannten Wissenschaftssendungen und Reportagen nicht sehr ausführlich. Es dauert 30 Minuten eine Dokumentation über den Kalten Krieg zu schauen, aber nur 5-10 Minuten im Lexikon oder Internet nachzuschlagen, um die gleichen Dinge zu lernen. Der Fernseher ist kein Lernmedium, sondern ein Unterhaltungsgerät.

Das ist auch das Argument mancher Menschen: “Ich brauche etwas Unterhaltung und Entspannung. Schließlich arbeite ich den ganzen Tag.” Das ist sicher richtig und niemand will Ihnen das Recht auf Unterhaltung und Entspannung absprechen, aber es gibt viele Wege, um das zu erreichen. Musik hören, lesen, mit seinen Kindern spielen, spazieren gehen und schlafen sind nur einige von vielen Möglichkeiten, um sich zu entspannen. Ich verstehe wirklich nicht was daran beruhigend ist einen Film über einen Serienkiller oder eine Castingshow mit Teenagern anzuschauen. Zum Thema Unterhaltung lässt sich nur sagen: Achten Sie darauf, dass es nicht zuviel wird. Für die meisten Menschen sind 1-2 Stunden Unterhaltung am Tag ausreichend. Das gefährliche am Fernsehen ist, dass man die Zeit vergisst und nicht mehr aus dem Fernsehsessel kommt - aus 30 Minuten zum Entspannen werden so oft 3 Stunden.

Ich möchte kein Verfechter des fernsehfreien Lebens oder als Haßprediger gegen das Gerät Satans erscheinen, denn ich habe viele gute Filme und Dokumentationen genossen (auch wenn ich dadurch nicht klüger geworden bin). Jeder muss sich selbst die Frage stellen: “Was hat mir das Fernsehen der letzten Tage, Wochen und Jahre gebracht?” Das die Antwort auf diese Frage bei mir nicht sehr positiv was, habe ich vollkommen darauf verzichtet. Das ist zwar eine radikale Maßnahme, aber es besteht keine Gefahr “rückfällig” zu werden und ich vermisse den Fernseher nicht.

Heute bestimmt das TV-Gerät den Tagesablauf vieler Menschen. Vormittags beeilt man sich, um die tägliche Talkshow nicht zu verpassen, nachmittags setzen sich die Kinder vor die Glotze, wenn sie aus der Schule kommen und abends redet man nicht, sondern schaut gemeinsam auf ein elektrisches Gerät, das uns vom Leben anderer berichtet. In vielen Familien teilen sich die Menschen nach dem TV-Programm auf - die Eltern schauen einen Krimi, während die Kinder im Nebenzimmer “Deutschland sucht den Superstar” schauen. Besonders erschreckend ist der Fernsehkonsum bei Kleinkindern. Sie werden oft vor dem Fernseher “geparkt”, damit sie sich selbst beschäftigen. Die Abhängigkeit beginnt schon von kleinauf.

“Das Fernsehen macht aus dem Kreis der Familie einen Halbkreis.”

Rolf Haller, dt. Schriftsteller

Eigentlich sollte auf jedem verkauften Fernseher eine Warnung stehen: “Vorsicht! Dieses Gerät kann zu tödlicher Lethargie und zeitraubender Passivität führen.” Deshalb ist der beste Schritt seinen Fernseher zu verschenken oder mit einem Baseballschläger zu vernichten (sehr befreiend :) ). Falls Sie jedoch nicht vollständig darauf verzichten möchten, brauchen Sie Selbstdisziplin und einen Plan. Erstellen Sie einen 30-Tage-Plan, auf dem die Zeit festgelegt ist, die Sie täglich für das Fernsehen reserviert haben. Halten Sie sich genau an die Zeiten und gestalten Sie den Plan so, dass die Dauer jeden Tag abnimmt. Fangen Sie beispielsweise mit drei Stunden an und das Ziel für den 30. Tag sind zwei Stunden.

Wenn Sie nur eine Stunde am Tag weniger fernsehen als sonst, haben Sie soviel freie Zeit, dass Sie ein Buch in der Woche lesen oder ein Musikinstrument erlernen können. Aber wenn Sie sich wirklich etwas Gutes tun wollen, verzichten Sie vollständig auf das Fernsehen. Sie können es erstmal für eine Woche oder einen Monat ausprobieren. Es ist nicht einfach sich eine jahrelange Gewohnheit abzugewöhnen, aber die Vorteile sind einfach überwältigend.

“Fernsehen = Das einzige Schlafmittel, das mit den Augen eingenommen wird.”

Vittorio de Sica, ital. Schauspieler und Regisseur

Leben Sie Ihr Leben!

Viel Erfolg!

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  • 14 Kommentare zu “Warum Fernsehen schlecht ist”

    1. johannes sagt:

      Da stimme ich Dir voll und ganz zu. Ich habe auch keinen Fernseher mehr und merke nun, wie lange eigentlich ein Abend ist. Man kann so viele Dinge machen, die nicht sehr viel Energie erfordern, aber trotzdem um ein vielfaches mehr Lebensqualität bieten.

    2. damospace sagt:

      Kann ich nur bestätigen. Viele Leute haben den Eindruck sich vor dem Fernsehen zu entspannen, nur weil sie während dieser Zeit ihre Probleme vergessen. Und wenn sie dann den Fernseher endlich ausschalten, sind die Probleme wieder da…

    3. Frank sagt:

      Also so ganz stimme ich dir nicht zu. Sicher kann Fernsehen dazu verleiten das man Zeit verschwendet aber nicht wenn man ein Mensch mit Interessen und Hobbys und vor allem Arbeit ist. Ich selbst schaue sehr selten Fernsehen, und dann nur ausgewählte sachen. Und das man mit dem Fernsehen Probleme bei seite schiebt halte ich für unwahrscheinlich. Jedem Menschen tut es auch mal gut abzuschalten, die einem machen das vorm TV, andere legen sich stundenlang an den Strand und wieder andere trinken zu viel. Wie gesagt man sollte ein Limit kennen, dann schadet es auch nicht.

    4. ben sagt:

      Da fällt mir spontan der Satz ein “Mit dem Wecker aufstehen und mit dem Fernseher schlafen gehen”.

      Dennoch möchte ich mein Fernseher nicht missen, die Kiste läuft bei mir täglich, allerdings lass ich vom Fernsehen nicht mein Tag planen - sei es drum ob um 18 uhr meine Lieblingssendung läuft - wenn ich etwas anderes zu erledigen habe hat der Fernseh zu warten.

      Aber der Fernseher ist nur ein kleiner winziger Teil meines Lebens, ich lese genauso gern ein gutes Buch, einen interessanten Artikel, höre 20 mal hintereinander das gleiche Lied (wie gerade) weil ich einfach nicht darauf klarkomme wie gut dieses Lied eigentlich ist, führe eine tiefschürfende unterhaltung mit einem guten Freund oder versuche meiner Gitarre ein paar hörbare töne abzugewinnen. Aber ich mag es eben auch wenn ich einer bebilderte Geschichte folgen kann, die mich einfach nur kurzweilig unterhält oder mein denken nachhaltig verändert, und es gibt tatsächlich Filme die das Zeug dazu haben.

    5. André sagt:

      Fernsehen hat für mich nie eine große Rolle gespielt. Denn ich weiß, dass alle Informationen, die ich dort erhalte, viel detailierter und nachhaltiger durch andere Quellen zu beziehen sind. Fernsehen verliert aber nicht vollständig seine Funktion als Informationsmedium. Diese wird lediglich durch den Unterhaltungsapekt geschmälert. Man möchte nunmal auch unterhalten, und nicht nur informieren. Deshalb schaue ich schon seit vielen Jahren kein TV mehr, sondern les lieber ein Buch o.ä. Man muss aber bedenken, dass viele auch ohne Fernsehen ungern lesen würden. Das “Teufelsgerät” kann also auch Leute erreichen, die sich selbst nie mit einem bestimmten Thema auseinander gesetzt hätten. Du hast aber natürlich Recht, dass dieser Informationsgehalt äußerst gering ist.

    6. gutes-fernsehen » Blog Archive » Re: Schüsselverbot (Re: hessen fernsehen? Bitte mal Hand hoch wer ….) - hessen fernsehen und c’t gehen auf Sendu… sagt:

      [...] nach “Uptown” ziehen, worauf Up- dann zu einem weiteren Downtown wird und irgendwo ein neues Uptown entsteht. cu [...]

    7. Roger sagt:

      Dein Artikel trifft den Nagel auf den Kopf !
      Fernsehen gehört zur Unterhaltung, oder anderst gesagt zur “unten Haltung”.
      Man bleibt dort wo man ist, wenn man der “unten Haltung” nicht entsagt. Gedanken und Lösungen findet man auch auf meiner persönlichen Webseite: http://www.premiumcoach.com

      Wünsche allen maximalen Erfolg!
      Roger

    8. Alex sagt:

      Hi.

      Ist natürlich eine sehr individuelle Sache. Für den einen ist TV Zeitverschwendung, für den anderen sind es 3 Stunden in der Kneipe und 5 Bier trinken.

      Wichtig ist dass man eine Aufgabe im Leben hat und Ziele um sich weiter zu entwickeln. Wenn man sich einfach treiben lässt, dann kann das natürlich sehr gefährlich sein.

      Aber TV an sich ist nicht das Problem. Sondern mehr wie die Menschen damit umgehen.

      Das ist aber wie bei allen Sachen: Computer Spielen… Im Internet surfen… Feiern…. Bier trinken….usw… das kann man beliebig ausdehnen.

      Alex

    9. Angela sagt:

      > Eigentlich sollte auf jedem verkauften Fernseher eine Warnung stehen: “Vorsicht! Dieses Gerät kann zu tödlicher Lethargie und zeitraubender Passivität führen.”

      Wo hast du den denn her. Passt schon, auch der Spruch vom Halbkreis ist treffend.

      Ich selbst hab zwar keinen Fernsehen und guck auch nur zur Fußball EM und WM in die Kiste. Aber, grad heut bin ich drüber gestolpert, dass auch Monitore durchaus fernsehähnliche Formen annehmen können.

    10. Anonymous sagt:

      Hallo Haric,
      dein Beitrag zum Fernsehkonsum finde ich gelungen,
      vor allem Die Zitate dazu sind empfehlenswert.
      Eine Anmerkung hätte ich persönlich doch dazu.
      Ich bin der Meinung, dass man sich mit Beiträgen zu
      Zeit ./. Medien beinahe mehr auf den Computer beziehen
      sollte.
      Alles Gute und viel Erfolg zu deinen Zielen…
      wünscht Kirsten

    11. Haris sagt:

      Vielen Dank für die tollen Kommentare!

      Der Vergleich mit dem PC ist möglich. Doch meiner Meinung nach ist hier in den seltensten Fällen eine solche Zeitverschwendung zu erreichen wie beim Fernsehen, außer man verbringt täglich 5 Stunden mit youtube.com oder Filmen.

      Ich bin KEIN Feind des Fernsehens. Es hat sicherlich seinen Platz in unserer Gesellschaft und daran wird sich auch nichts ändern. Das Problem ist nur, dass es bei den meisten Menschen zur Gewohnheit wird und irgendwann sitzt man ohne Grund 3-4 Stunden vor der Glotze.

      Es gibt natürlich auch gute Dokumentationen und Filme wie Rocky oder Forrest Gump, die zum Nachdenken anregen und motivieren.

    12. Anke sagt:

      Hallo Haric,

      ich habe vor ca. 2 Jahren meinen Fernseher verschenkt da ich mich erwischt habe das aus einer geplanten Stunde TV gucken auf einmal 4 Stunden geworden sind. Ich habe an dem Abend irgend einen Müll geguckt nur um mich abzulenken - danach ging es mir richtig schlecht. Nun steht das Teil bei Freunden ;-) und ich fühle mich freier. Fernsehen empfand ich schon immer als Zeitverschwendung, hatte mich nur nicht getraut das Gerät ganz abzuschaffen. Da ich selbständig bin, weiss ich eh meine Zeit sinnvoller zu nutzen. Was mir aufgefallen ist das man sich gegenüber Freunden und Bekannten schon sehr rechtfertigen muss wenn man keinen TV hat - ich nehme die Reaktionen meist mit Humor aber daran stelle ich auch fest wie etabliert dieses Medium ist obwohl es eine Droge ist.

    13. Angel sagt:

      Nur jetzt zur EM guck auch ich mal Fernsehen.

      @ Anke. Ich hab mich gleich gefragt, was denn das für Freunde sind, denen du etwas schenkst, das du selbst für eine Droge hältst und loswerden willst.

      Und dass du dich rechtfertigen musst für deine Entscheidungen vor deinen Freunden, hat mich dann erst recht irritiert. Sind das dieselben Freunde? Oder sind vieler deiner Freunde so drauf?

    14. Anke sagt:

      Hallo Angel,

      deshalb habe ich den :-) hinzugefügt um die Doppeldeutigkeit zu visualisieren, ein bisschen Humor ist doch erlaubt, oder? Was die Rechtfertigung betrifft - die meisten meiner Freunde haben nach wie vor einen Fernseher und haben sich über meine Abstinenz gewundert. Ich habe damit überhaupt kein Problem sind halt keine Ja-Sager sondern Menschen mit eigener Meinung. Deshalb ja auch meine Freunde. Ich kann dich beruhigen - es ist keine Freundschaft daran zerbrochen.

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