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Warum erwachsen werden?

Erstellt von Haris am Samstag 14. Juni 2008 Schrift VERGRÖSSERN

Als wir noch Kinder waren wollten wir nur eines: erwachsen werden und das so schnell wie möglich. Hätten wir gewusst wie toll es ist ein Kind zu sein, hätten wir uns vermutlich etwas mehr Zeit gelassen. Viele Menschen sehnen sich nach dieser Zeit der Sorglosigkeit, der Unbekümmertheit und des Glaubens an Zauberer und alles Unmögliche. Vielleicht ist das der Grund warum Harry Potter heute so beliebt ist, denn dort findet man diesen Traum in einer Form wieder, die auch für Erwachsene ansprechend ist. Es ist ein Märchen für groß und klein.

Als Kind wussten wir nicht, was vernünftig sein bedeutet und oft war es auch kein Hindernis, vielmehr eine Befreiung. Wenn man älter wird, hört man den Satz: “Sei doch endlich vernünftig!” immer öfter und mit der Zeit passt man sich an. Irgendwann ist man schließlich so vernünftig, dass man nicht mehr lacht, außer wenn etwas witzig ist, denn schließlich macht es ansonsten keinen Sinn. Man versucht seine Zeit einzuteilen und von Verpflichtung zu Verpflichtung zu rennen, ohne anzuhalten, um etwas Luft zu holen und eine schöne Blume am Straßenrand zu betrachten.

Ist es das, wovon die Erwachsenen immer früher immer geredet haben und wovon, die Kinder träumten? Ist dieses ernste, organisierte und phantasielose Leben, das was wir uns als Kind wünschten?

Als Kind hatten wir keine strukturierten Tagesabläufe und was Stress ist, wussten wir sowieso nicht. Wir wollten erwachsen sein, weil wir glaubten dann alles tun und lassen zu können, was wir wollten, aber wir haben nicht damit gerechnet, dass wir den größten Teil unserer Tage damit verbringen würden das zu tun, was andere Menschen wollen. Als Erwachsene fragen wir uns wie wir glücklich werden können, doch als Kind wussten wir es und es war selbstverstsändlich jeden Tag glücklich zu sein. Wir wollten im Kindesalter mehr Freiheit erlangen und wir haben viel mehr Zwänge und Einengungen erhalten, sei es durch die Programmierung der Gesellschaft, den Verlust des eigenen Glaubens oder die ständige Ernsthaftigkeit. Die große Gefahr dabei ist, dass wir uns irgendwann in einer Situation wiederfinden, wo wir nur den Pflichten nachgehen, nur das Nützliche tun und für Spaß keine Zeit haben, anstatt so oft wie möglich unseren Träumen und Leidenschaften zu folgen.

“Wo Kinder sind, da ist ein goldenes Zeitalter.”

Novalis

Was ist der Unterschied zwischen einem Kind, das ein Sandburg baut, und einem Angestellten, der einige Akten durcharbeitet? Dem Kind bereitet diese Aufgabe große Freude und es geht mehr um das Bauen als um das fertige Ergebnis. Dennoch ist es am Ende stolz auf die eigenen Leistung und zeigt es den Eltern und Freunden. Ein Mensch hingegen, der nur das tun, was er muss, fühlt sich meistens nicht sehr wohl und macht einfach ein kleines Häkchen auf sein To-Do-Liste und das war’s. Kinder benutzen keine Listen ;-)

Damit will ich nicht sagen, dass wir alle unsere Arbeitsstellen kündigen sollten, um den ganzen Tag im Sandkasten zu spielen, sondern dass wir im Leben diejengien Dinge tun sollten, die uns am meisten Freude bereiten. Dazu brauchen wir keine Pläne, keine Kalender und kein Brainstorming. Wir wissen, was uns Spaß macht, aber trotzdem tun wir es meistens nicht, weil wir uns einreden keine Zeit dafür zu haben.

Es lohnt sich hin und wieder die Offenheit eines Kindes anzunehmen und die Welt aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Wenigstens für einige Stunden in seiner eigenen Welt zu leben mit den wunderbarsten Phantasien und dem Verschwinden aller Grenzen der Vernunft. Für einige Stunden einfach alle logischen Einwände und Erwachsenenausreden zu vergessen und etwas Zeit in seiner Traumwelt zu verbringen. Motivation und Kreativität entstehen, wenn man sich einer Sache aus freiem Willen voll und ganz hingibt, nicht wenn man dazu gezwungen wird.

Auch pflichten und weniger angenehme Aufgaben müssen sein, das liegt daran, dass man als Erwachsener Verantwortung übernehmen muss und nicht immer faul sein kann, wenn man es will, aber ist es nicht schön und entspannend für einige Stunden auf einem Rasen zu liegen und die Wolken zu beobachten, anstatt mal wieder zum Kiosk zu hetzen, um zu sehen welche Neuigkeiten es gibt bevor man zur U-Bahn rennt? Sollte der Sinn des Erwachsenwerdens nicht sein die Begeisterung und Motivation für unsere Träume zu steigern und für mehr Freude an jedem Tag zu sorgen?

Kinder gehen Risiken ein, weil sie neugierig sind und manchmal so sehr in der Phantasiewelt leben, dass sie die Naturgesetze vergessen. Doch wenn man bedenkt wovor wir Erwachsenen Angst haben und welche Scheu wir vor Risiken haben, ist es kaum zu glauben, dass wir als Kinder mit Spinnen oder Schlangen gespielt haben und auf fremde Menschen mit einem Lächeln zugegangen sind.

Eine tolle Eigenschaft von Kindern sind ihre verrückten und lustigen Einfälle. Wissen Sie vielleicht noch wie Sie als Kind einen unsichtbaren Freund hatten, der zum Essen kam? Manchmal ist die Phantasie für Kinder so real wie die Wirklichkeit, auch wenn diese Dinge sonst niemand sehen kann. Wäre es nicht abwechslungsreich im Cafe einen Eisbecher für sich und einen für seinen unsichtbaren Freund zu kaufen? :-) Man muss das Leben ja nicht so ernst nehmen…

Kinder akzeptieren ein Nein nicht als Anwort, sondern sie sind beharrlich und geben nicht nach, bis sie nicht bekommen, was sie wollen. Für sie spielt es keine Rolle, dass die Wirklichkeit nicht so ist wie sie es wollen - sie erschaffen sich eine eigene Welt. Während die Eltern sagen, dass kein Geld für ein neues Fahrrad übrig ist und dass sie es lieber vergessen sollen, lassen die Kinder sich durch solche Hindernisse nicht am Träumen hindert. Sie denken immer nur ans Ziel - nicht an den Weg dorthin und was dabei schiefgehen könnte.

Damals haben wir viele Verschiedene Dinge ausprobiert. Wir wollten alles lernen, erkunden, ausprobieren und jedes Spiel lernen, ja aus allem ein Spiel machen. Heute sagen wir: “Wozu soll ich lernen Schach zu spielen?” oder “Was bringt es mir viele Dinge zu versuchen? Ich will das tun, was mich weiterbringt, was funktioniert.” Solches Denken und das Verharren auf dem bisherigen Weg, ohne sich nach kleineren Pfaden links und rechts umzusehen, führt zu Unzufriedenheit und Stillstand. Ohne den Mut etwas Neues auszuprobieren und Risiken einzugehen, gibt es im Leben keinen Fortschritt. Wenn man etwas nicht kann, dann lernt man es eben. Als Kind kann man schließlich auch nichts und man versucht es trotzdem.

Machen Sie eine kleine Übung. Nennen Sie so schnell wie möglich 5 Dinge aus Ihrer Kindheit, die Sie um nichts auf der Welt vermissen wollen, tolle Erlebnisse, an die Sie sich jedesmal gerne erinnern. Anschließend nennen Sie fünf solche Ereignisse aus dem letzten Jahr. Was fällt Ihnen leichter? Bei den meisten Menschen sind es die Kindheitserlebnisse, die besonders schöne und intensive Erinnerungen hervorrufen, obwohl sie weiter zurückliegen.

Als Kinder hatten wir Wünsche, große Wünsche, denen die Vernunft nichts anhaben konnte und die sich nicht um die Realität anderer Leute kümmerten. Oft mussten wir monate- oder jahrelang auf ihre Verwirklichung warten, aber wir haben den Glauben niemals aufgegeben. Wir waren beharrlich - oder stur, wie manche Eltern es nennen. Und fast immer haben wir bekommen, wonach wir uns gesehnt haben.

“Wie wenig wir wissen, erkennen wir erst, wenn unsere Kinder anfangen zu fragen.”

aus Amerika

Vielleicht ist einer der Gründe für unser Staunen und Bewundern als Kind unsere Größe gewesen. Alles schien größer als wir selbst zu sein und wir schätzten es. Als Erwachsene schauen wir oft nur noch geradeaus - nicht nach unten auf die vielen Käfer im Gras oder nach oben auf die Vögel und Wolken. Es ist nicht immer gut sich den anderen anzupassen und das zu tun, was alle tun. Seien Sie ab und zu wieder ein Kind und haben Sie Spaß am Leben.

Leben Sie Ihr Leben!

Viel Erfolg!

Welche Dinge können wir Erwachsenen noch von den Kindern lernen? Was ist Ihre Meinung dazu?


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  • 2 Kommentare zu “Warum erwachsen werden?”

    1. Martin sagt:

      Sehr schön! :)

    2. Oliver sagt:

      Ab und zu das Kind im Mann rauslassen :)
      Das ist DIE Methode aller kreativen Köpfe.

      Guter Beitrag!

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