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Polyphasischer Schlaf

28. Januar 2008

Vor einigen Wochen bin ich durch Steve Pavlina’s Schlafexperiment auf polyphasisches Schlafen gestoßen. Es ist wirklich unglaublich, denn das war genau das, wonach ich schon lange gesucht hatte. Ich habe bereits in meinem Artikel “Über den Schlaf oder Wie man Frühaufsteher” beschrieben wie man Frühausteher wird oder einen regelmäßigen und gesunden Schlafrhythmus bekommt. Aber polyphasisches Schlafen bringt das Ganze auf eine neue Ebene. Stellen Sie sich vor, Sie könnten mit nur drei Stunden Schlaf am Tag auskommen, mehr Energie haben als jetzt, Sport treiben und produktiver arbeiten.

Beim polyphasischen Schlaf macht man kurze Schläfchen auf den ganzen Tag verteilt anstatt auf einmal 7 oder 8 Stunden zu schlafen. Die häufigste Form dieses Schlafes wird im englischsprachigen Raum als “Ubermann sleep” bezeichnet. Beim Ubermann-muster schläft man jede vier Stunden für 20-30 Minuten, also zum Beispiel um 6 Uhr, 10 Uhr, 14 Uhr, 18 Uhr, 22 Uhr und 2 Uhr. So kommt man auf 2-3 Stunden Schlaf am Tag und hat den Rest des Tages und der Nacht “frei”.

Wie kann das alles funktionieren? Wir befinden uns beim Schlafen in mehreren verschiedenen Schlafstadien. Wissenschaftler unterscheiden in Wachzustand, Einschlafstadium, leichter Schlaf, Tiefschlaf und Traumschlaf. Der Traumschlaf wird auch REM-Schlaf genannt und ist das, was wir eigentlich unter Schlaf verstehen. In dieser Phase schlafen wir fest, träumen oft (auch wenn wir uns später nicht daran erinnern) und können nur duch starke äußere Reize geweckt werden. Ein Schlafzyklus dauert etwa 90-100 Minuten und beinhaltet alle fünf Schlafstadien. Jede Nacht durchlaufen wir so 4-6 mal diesen Zyklus. Die entscheidende Phase des Schlafes sind die REM-Phasen. REM oder Rapid-Eye-Movement heißt so, weil wir unsere Augen in dieser Zeit besonders schnell bewegen. Man geht davon aus, dass das Gehirn in dieser Phase besonders aktiv ist und die erlebten Informationen des Tages verarbeitet.

Beim polyphasichen Schlaf bringt man seinem Körper bei sofort mit der REM-Phase anzufangen sobald man eingeschlafen ist. Die ersten zwei Wochen sind die schwierigsten, weil der Körper sich wehrt und man ständig müde ist. Nach der Anpassung merkt man gar nicht, dass man viel weniger schläft als vorher und ist energiegeladener als je zuvor. Wichtig ist in den ersten Wochen diszipliniert zu sein und keine Ausnahmen zu machen. Man sollte versuchen die Schlafzeiten möglichst genau einzuhalten, d.h. pünktlich einzuschlafen und nicht um 5 oder 10 Minuten (aus denen meistens Stunden werden) zu verlängern.

Der größte Vorteil eines polyphasischen Schlafzykluses ist, dass man viel mehr Zeit zur Verfügung hat und lebendigere Träume hat. Die Nachteile sind, dass man sich an die Schlafzeiten halten muss und deshalb seine Freizeit nicht so gestalten kann wie andere Menschen (Abendveranstaltungen, Konzerte, Disco). Ausserdem muss man mehr essen als vorher, was auch verständlich ist, da man viel länger wach ist. Die Langzeitfolgen dieses Schlafrhythmuses sind nicht erforscht und die Forscher sind sich nicht über die Auswirkungen auf die Gesundheit einig. Da ich sowieso nicht viel von “Studien von Amerikanischen Forschern” halte (z.B: “Forscher der Harvard-Universität haben herausgefunden, dass Tomaten das Krebsrisiko verringern”…), brauche ich mir deshalb keine Sorgen zu machen. Ich bin fest davon überzeugt, dass sich der Körper fast allen äußeren Umständen anpassen kann und da es schon einige Leute geschafft haben (Pavlina für 6 Monate), ist es offensichtlich, dass es möglich ist.

Das Experiment zum polyphasischen Schlafen werden ich im Februar starten, weil dann Semesterferien sind und ich auch sonst keine wichtigen Termine oder Verpflichtungen habe. In den ersten Wochen werde ich täglich über meine Erlebnisse posten. Falls sich mir jemand anschließen will, ist er herzlich willkommen und kann seine Erfahrungen als Kommentar veröffentlichen.

Meine Motivation für diese Umstellung ist vor allem Neugier auf etwas Neues und Verrücktes (was ist schon verrückter als wie ein Kaninchen zu schlafen :) ). Dieses Schlafsystem ist wie geschaffen für mich, weil die Tage auf diese Weise nicht unterbrochen werden, sondern man ständig am arbeiten bzw. wach ist (Ja, ich bekenne mich als ein Workaholic - im positiven Sinne). Nachdem die Übergangsphase geschafft ist, werde ich diesen Schlafrhythmus mindestens drei Monate beibehalten um alle Vor- und Nachteil zu überprüfen. Ich sehe aber keinen Grund warum man nicht jahrelang polyphasisch schlafen könnte. Es gibt schließlich auch Tiere, die mit nur 2-3 Stunden am Tag auskommen (Pferde, Giraffen) und Napoleon hat nur 4 Stunden Schlaf gebraucht. Sein Schlafrhythmus war jedoch monophasich und vielleicht ist das der Grund warum er oft krank war. Von Leonardo da Vinci ist bekannt, dass er in bestimmten Lebensabschnitten, die zu den produktivsten seines Lebens gehören, ein polyphasischer Schläfer war.

Ein weitere Punkt, den man bei diesem Experiment beachten sollte, ist die Ernährung. Steve Pavlina war schon seit Jahren Veganer als er mit der Umstellung begonnen hat und behauptet, dass es ihm geholfen hat. Ich werde jedenfalls in dieser Zeit nicht auf vegetarische Ernährung umsteigen und ich glaube auch nicht, dass man weniger Schlaf braucht oder mehr Energie hat, nur weil man keine tierischen Produkte isst. Ausserdem trinke ich keine Alkohol, rauche nicht, trinke keinen Kaffee und nehme auch keine anderen Drogen oder Aufputschmittel zu mir. Ich freue mich auf dieses Experiment und hoffe, dass ich nicht verschlafe…

Leben Sie Ihr Leben!

Viel Erfolg!

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  • 4 Kommentare zu “Polyphasischer Schlaf”

    1. Hanni sagt:

      interessanter Versuch. Bin gespannt auf die Ergebnisse. Das Thema find ich sehr spannend. Vielleicht mach ich ja mit. Viel Erfolg!

    2. Jonas sagt:

      Bin grad über das Thema gestolpert, sehr intressant! Ich bin auf deine Posts gespannt… Viel Erfolg

    3. Alex sagt:

      Hallo,

      also ich finde deinen Test sehr einfallsreich und ob es einem Menschen solche Schlafmethoden zu gute kommen, möchte ich bestreiten. Allerdings der Punkt der totalen Arbeitsleistung am Tag wird meinerseits sehr positiv gesehen. Ich selbst nutze gerne in letzter Zeit den Ausdruck 25h-Tag.

      Damit können wenige was anfangen und halten es für übertrieben. Bei mir war das in den letzten Wochen, Monaten oft so, dass ich nur von 01 Uhr nachts bis 05 Uhr oder 02 Uhr nachts bis 05 Uhr geschlafen habe und manchmal, aber auch eigenartiger weise fühlte ich mich dabei besser als wenn ich 8-10 Stunden geschlafen habe. Noch musste ich feststellen, dass es mir dabei gesundheitlich etwas schlechter ging, hatte oft Schnupfen etc. Dennoch war der Körper und auch der Geist sehr belebt sowie aktiv und leistungsfähig.

      Das gute war ja, dass ich höchstens 1 Minute zum Einschlafen brauchte, was ja auch bei solchen kurzen Schlafphasen verständlich ist. Nachteilhaft ist noch, dass man wegen dem wenig Schlaf oft schlecht gelaunt und gereizt war. Das waren wahrscheinlich die Folgen dessen.

      Jetzt gerade habe ich Urlaub und mache auch oft bis zu 40 Stunden durch und mache meinen Kram im Internet. Hierbei geht es natürlich ohne Energydrinks und Kaffee nicht.

      Was mich persönlich stört, dass wir Menschen einfach zu viel Ruhe und Erholung brauchen, damit man für den nächsten Tag wieder fit ist. Von den Forschern wurde immer wieder erwähnt, dass man zwischen 22.00 Uhr und 6.00 Uhr am besten und erholsamsten schlafen kann.

      Gruss alex…

    4. hh sagt:

      Vielen Dank für die Kommentare.

      @Hanni
      falls du mitgemacht hast, könntest du ja deine Ergebnisse als Kommentar posten oder mir Emails schicken. Es interessiert mich, ob andere die gleichen Erfahrungen gemacht haben.

      @Alex
      Ich habe auch mit verschiedenen “Tagen” experimentiert - z.B. 36-Stunden-Tag oder 20-Stunden-Tag, aber irgendwie kommt man um die 24 Stunden nicht herum. Wahrscheinlich hat es einen Grund, warum die Menschen dieses Maß seit Jahrtausenden benutzen.

      Ein Vorteil vom Polyphasischen Schlafen ist, dass man gezwungen wird jede vier Stunden ein Pause einzulegen. Das ist für mich ungewöhnlich, weil ich manchmal 8-10 Stunden ohne Pause durcharbeite.

      Ich weiß nicht, ob die Forscher mit Ihren Untersuchungen richtig liegen (22.00 - 6.00), aber ich bin eher skeptisch. Beim monophasischen Schlafen ist es bei mir so, dass ich fast immer gut schlafe, unabhängig von der Schlafzeit. Ich halte es da wie Winston Churchill, der einmal gesagt hat: “Ich glaube keiner Statistik, die ich nicht selbst gefälscht habe.”

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