Gut ist meistens mehr als genug

Allerorten wird uns eingeredet, das Beste sei gerade gut genug für uns. Alle wollen unser Bestes. Und wir sollten uns anstrengen, um die Besten zu sein. Platz 2 sei für Verlierer.

Wenn gut nicht mehr gut genug ist, wird es anstrengend. Viel anstrengender als es in den allermeisten Fällen nötig wäre, denn Spitzenleistungen sind nicht der Normalfall. Sonst wären sie keine Spitzenleistungen.

Wer stets versucht, sein Bestes zu geben, geht ständig an sein Limit. Was ist falsch daran? Ist Mittelmaß erstrebenswert?

Perfektion anzustreben, Rekorde zu brechen, der Beste sein zu wollen, kann der Motor zu Fortschritt und Wohlstand sein. Es kommt jedoch darauf an, für sich persönlich die richtige Balance zu finden, in diesem Fall die Balance, in welchen Bereichen wir unser Maximum geben und in welchen wir dafür bewusst weniger leisten.

Auf unserem Spezialgebiet zur Spitzengruppe gehören zu wollen, ist erstrebenswert. Hier haben wir die Chance, durch unsere besondere Leistung etwas zu bewirken. Hier können wir uns einen Ruf aufbauen. Wir können zum gefragten Experten werden.

In einem Bereich, der für uns von geringer Bedeutung ist und in dem wir allenfalls mittelmäßige Leistungen vollbringen, sollten wir nicht ebenso fleißig und engagiert sein, denn so gut wie die Spezialisten werden wir vermutlich nie. Experten für alles gibt es nicht.

Die Grundregel lautet: Was wir gut können, sollten wir besonders gut machen.

Was weniger wichtig ist, lohnt nicht die besondere Anstrengung. Umschichtung! Umso mehr können wir uns auf unserem Spezialgebiet anstrengen.

Dazu ein Beispiel: Ein Pizzabäcker sollte nicht versuchen, bei der Renovierung seiner Wohnung, bei der Gartenarbeit und beim Sport überall Spitzenleistungen zu bringen, sondern zuallererst ein guter Pizzabäcker sein. Die beste Pizza der Stadt anbieten zu wollen, ist für ihn ein sinnvolles Ziel.

Mit seinem Garten, den er in seiner Freizeit zur Entspannung pflegt, muss er sich nicht so abmühen, als wolle er einen Preis damit gewinnen. Einen Trainingsplan wie ein Spitzensportler zu absolvieren wird er neben seiner Arbeit kaum schaffen. Für Fitness und Erholung ist ihm zu einem weniger anstrengenden Training zu raten. Seine Wände muss er nicht streichen wie ein Malermeister. Soll es trotzdem besonders gut werden, engagiert er besser jemanden, der auf diesem Gebiet spitze ist.

Hinterfragen sollten wir, wann sich besonderer Aufwand lohnt. Bei unzähligen Aufgaben im Leben reicht es aus, sie halbwegs ordentlich zu erledigen. Gerade noch gut genug ist oft genau richtig, denn Erfolg haben wir, wenn wir uns unsere Kräfte richtig einteilen, die richtigen Schwerpunkte setzen. Wenn alles gleich wichtig ist, ist nichts mehr wichtig.

Nicht zuletzt wollen wir Erfolg auch genießen. Das wird kaum gelingen, wenn wir bis zur Erschöpfung mit Nebensächlichkeiten beschäftigt sind.

Teilen wir uns unsere Kräfte gut ein, damit wir Reserven haben, wenn es drauf ankommt!

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