Studieren: Ja oder Nein?
13. Februar 2008Als wir noch in der Schule waren, wurde uns von unsern Eltern ständig eingetrichtert, dass wir fleißig lernen und später studieren sollten, um einen guten Arbeitsplatz zu finden. Dieser Ratschlag war zwar meistens gut gemeint, aber entspricht nicht mehr den Tatsachen. Wenn man viel lernt und viel studiert, wird man sich viel Wissen aneignen und schlau werden. Das heißt aber noch lange nicht das man viel Geld verdient oder einen Job hat, der zufriedenstellend ist.
“Phantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt.”
Albert Einstein
Oft wird der Spruch ” Wissen ist Macht” genannt, aber das ist leider falsch, denn Wissen ist Wissen und Macht ist Macht. Wissen kann zwar zu Macht werden, aber meistens ist das nicht der Fall. Denn sonst wären alle klugen Wissenschaftler reich und nur besonders intelligente Menschen könnten Bundeskanzler oder Präsident werden. Nur angewandtes Wissen ist Macht. Sie können wissen wie man eine Rakete baut und zum Mond fliegt oder wie man eine Milliarde Euro verdient, aber wenn sie dieses Wissen nicht praktisch anwenden, dann ist alles umsonst und niemand außer ihnen wird wissen, was für ein Genie Sie sind.
“Es ist nicht genug, zu wissen, man muß auch anwenden; es ist nicht genug, zu wollen, man muß auch tun.”
Johann Wolfgang von Goethe
Für manche Menschen ist es besser nicht zu studieren und stattdessen eine Ausbildung zu machen oder zum Militär zu gehen. Für manche Karrieren ist ein Studium einfach überflüssig oder nicht notwendig. Bitte verstehen Sie mich nicht falsch, ich wäre der letzte, der sagen würde, dass Bildung oder Lernen schlecht ist. Ich liebe es, Neues zu lernen mein Wissen zu erweitern.
Doch worauf ich hinaus will ist, dass viele Jugendliche ein Studium nur beginnen, weil es keine bessere Alternative gibt oder weil Ihre Eltern darauf drängen. Oft trauen sich die Studenten nicht ihr Studium abzubrechen und etwas völlig anderes zu lernen oder beispielsweise eine Weltreise zu machen. Man kann nicht alles aus dem Buch lernen, genauso wenig wie eine Hochschule den Menschen auf das wahre Leben vorbereitet.
An der Universität lernt man viele neue Menschen kennen und kann sich auf ein Spezialgebiet wie Geologie oder Medizin spezialisieren und darin sehr gut werden. Dazu ist die Uni der perfekte Ort, aber leider ist das Studium sehr einengend und durch die neuen Bachelorstudiengänge bekommt man bildlich gesprochen gleich am Anfang zwei Scheuklappen, damit man bloß nicht versucht etwas anderes zu versuchen oder Pausen zu machen.
Die Universität sollte ein Ort sein, an dem man viel Neues ausprobieren kann um erstmal herauszufinden, was man überhaupt mag und welche Fachrichtung man einschlagen möchte. Es wird gesagt, dass die Universität die Menschen so schnell wie möglich auf ihren Arbeitsplatz vorbereiten soll und dass die Studenten nicht faul sein dürfen. Es kommt mir vor als wären die Hochschulen inzwischen zu einer Brutstätte für Arbeitstiere geworden. Als Student kommt man sich oft wie eine Legehenne vor, von der nur erwartet wird ständig zu den verschiedenen Vorlesungen zu rennen und die erforderliche Leistung zu erbringen.
Das ist vielleicht für die Wirtschaft (viele Arbeitkräfte), die Universität (schnelleres Studium –> weniger Ausgaben) und für manche faulen Studenten von Vorteil, aber nicht für die Masse der Studierenden. Die Uni sollte ein Ort sein, an denen interessierte Menschen Wissen erwerben und ihren Horizont erweitern können.
“Willst du wissen wer du warst, dann schau was du bist, willst du wissen was du sein wirst, dann schau was du tust.”
Buddha
Ein weiterer Punkt ist, dass manche Studenten sich nicht trauen ihr Studium abzubrechen und etwas völlig Neues anzufangen. Was ist denn das Schlimmste, was passieren kann? Man “verliert” vielleicht ein paar Jahre und kann erst später einen Beruf finden, aber die Hauptsache ist doch, dass man das macht, was man liebt.
Natürlich ist es schwer seinen Eltern mitzuteilen, dass man doch nicht Arzt oder Jurist werden möchte, sondern erstmal eine Auszeit braucht oder Künstler wird. Man möchte anderen nicht immer erklären müssen, warum man sein Studium abgebrochen hat und was man jetzt macht, aber das Leben besteht nicht nur aus einer Reihe von Erfolgen oder Punkten im Lebenslauf, die man abhaken muss.
Ich habe 2006 angefangen in Heidelberg Volkswirtschaftslehre zu studieren und nach einem Semester abgebrochen, weil sich meine Ziele geändert hatten und dieses Studium nicht meine Erwartungen erfüllte. Da ich reich werden wollte, hoffte ich in VWL die notwendigen Kenntnisse dafür zu erwerben, aber ich wurde enttäuscht. In den heutigen BWL- und VWL-Studiengängen werden Mathematiker, Analysten und Einheitsmanager ausgebildet und nicht Unternehmer und Freidenker. Der Punkt, der mich wahrscheinlich am meisten daran störte, war, dass die Volkswirtschaft davon ausgeht, dass Menschen rational handeln. Im Aktienhandel gibt es eine goldene Regel, die besagt: ” Gewinne laufen lassen, Verluste begrenzen.” Das habe ich dann auch getan und die Notbremse gezogen.
2007 habe ich, wahrscheinlich aus Neugier (ich weiß es selbst nicht mehr genau), angefangen Slavistik zu studieren. Hier war nach zwei Monaten Schluss und ich werde zukünftig nur noch als Gasthörer an bestimmten Kursen teilnehmen. Das ist zwar nicht das, was gut in einem Lebenslauf aussieht oder was “vernünftig” wäre, aber ich fühle mich so am wohlsten und und habe Raum für Dinge, die mich wirklich interessieren.
Ein weiterer Grund für den Abbruch war, dass es keinen Studiengang gibt (jedenfalls habe ich ihn bis jetzt nicht gefunden), der das enthält, was ich lernen möchte. Deshalb mache ich meinen eigenen Studiengang, indem ich mir Bücher aus der Universitätsbibliothek hole und durch “Trial and Error” lerne (wie bei diesem Blog
).
Heute gibt es viele Leute, für die einen Abschluss oder ein Diplom für etwasHeiliges halten. Für mich ist es nur ein Papier, das aussagt, dass man fleißig war und alles getan hat wie man es tun sollte. Dadurch hat man bessere Chancen bei der Berufswahl. Das ist alles. Ein Diplom sagt nichts darüber aus, ob man ein guter Mensch ist, später erfolgreich oder ein Anführer sein wird oder ob man intelligent ist. Da ich sowieso niemals für jemanden (Unternehmen, Staatsdienst, usw.), außer mir selbst, arbeiten werde, spielt es für mich keine große Rolle.
Es ist dennoch für die meisten Menschen empfehlenswert ein Studium zu beginnen, die sich unsicher sind, denn sie können solange wechseln bis Sie das Richtige gefunden haben. Was sind schon ein paar Tausend Euro für Studiengebühren oder fünf Jahre, wenn man sich dann zu 100% sicher ist, dass man Physiker oder Schriftsteller wird. Die meisten Studenten schließen ein Studium ab, auch wenn sie die ersten Versuche nicht weiterbringen, weil sie sehen, was für ein toller Ort um zu lernen eine Hochschule ist.
Die Wirtschaft kann warten. Es ist nicht notwendig ein Studium wie ein Hamster im Laufrad so schnell wie möglich zu beenden, wenn man es nicht gern macht. Viele der großen Männer der Geschichte haben ihr Studium gewechselt oder abgebrochen. Wen interessiert es schon, ob Einstein eine Fünf in Erdkunde hatte oder, ob Bill Gates einen Studienabschluss hat. Es kommt darauf an, was man aus seinem Leben macht und nicht wie viel Punkte man in Prüfungen hat oder wie schnell man seinen Lebenslauf füllen kann.
Der große Naturwissenschaftler Charles Darwin hat erst begonnen Medizin zu studieren, aber weil nicht beim Sezieren zuschauen konnte, abgebrochen. Anschließend hat er es mit Theologie versucht und erst dann ist er zur Naturwissenschaft gestoßen und war begeistert. Der Rest ist Geschichte.
Bill Gates verließ die Elite-Uni Harvard schon nach einem Jahr um seiner großen Leidenschaft zu folgen. Aus einer Zwei-Mann-Firma baute er mit seinem Freund Paul Allen den Softwaregiganten Microsoft auf, der ihn zum reichen Mann der Welt machte (aktuell ca. 60 Mrd. $ / 42 Mrd €). 2007 bekam er dennoch von seiner alten Uni ein Diplom.
Vincent van Gogh studierte 15 Monate lang Theologie und sprach ” von der schrecklichsten Zeit seines Lebens”. Anschließend zog er als Wanderprediger durchs Land und wurde zu einem der bedeutendsten Maler der Geschichte.
Es gibt unzählige weitere Beispiele für Menschen, die es auch ohne Studium oder durch einen Wechsel geschafft haben, aber das sollte fürs erste reichen. Ein Ziel ist es nicht das Studium schlecht zu reden, sondern zu selbstständigen Denken und Handeln anzuregen. Wenn eine Sache klar ist, dann dass man ohne Wissen nirgendwo hingeht. Doch Wissen ist nicht mit Studium oder mit Erfolg gleichzusetzen. Man kann auch ohne einen Doktortitel schlau und erfolgreich sein.
“Eine Investition in Zinsen bringt immer noch die besten Zinsen.”
Benjamin Franklin
Ich bleibe jedenfalls offen für ein Studium in der Zukunft, wenn ich das richtige entdecken sollte, aber ich kann auch ohne einen Hochschulabschluss leben. Es gab schon während der Schulzeit einen Ort, der mir lieber war als die Schule und das war die Stadtbücherei. Da Heidelberg eine fantastische Universitätsbibliothek besitzt, wird man mich auch in Zukunft oft dort finden.
„Zu wissen, was man weiß, und zu wissen, was man tut, das ist Wissen.“
Konfuzius
Leben Sie Ihr Leben!
Viel Erfolg!

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