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Kummer & Sorgen

11. Januar 2008

Vor kurzem habe ich eine Person getroffen, bei der es einen Todesfall in der Familie gegeben hat. Dabei hatte ein relativ junger Mann, der eine Familie und ein erfolgreiches Geschäft hatte, wie aus heiterem Himmel Selbstmord begangen. Die Person, die ich gut kenne, ist die seine Cousine – nennen wir sie Frieda – und war wie die ganze Familie sehr aufgebracht. Niemand hatte das erwartet. Ein Todelfall ist immer erschütternd und tragisch für die Familie, aber ein Selbstmord ist irgendwie noch schlimmer.

Wenn Kummer zur Gewohnheit wird

Man fragt sich ständig: „Hat er jemals angedeutet so etwas zu tun?“, „Hätte ich vielleicht etwas tun können, ihm irgendwie helfen können, um diese Tragödie zu verhindern?“ oder „War ich möglicherweise selbst zum Teil daran Schuld?“. Auch Frieda gingen solche absurden Gedanken tagelang nicht aus dem Kopf. Sie wusste, dass es lächerlich war, aber trotzdem konnte sie es nicht abstellen. Sie kannte diese Person nicht sehr gut – hatte ihn zum letzten mal vor 15 Jahren gesehen, aber sie trauerte mit den Angehörigen. Täglich telefonierte sie stundenlang mit der Mutter und anderen Familienangehörigen, da sie in einem anderen Land wohnte und nicht persönlich vorbeikommen konnte.

Tag vergingen so und ihre Trauer steigerte sich von Tag zu Tag. Allmählich ging es auch Frieda schlechter – sie erkrankte an einer schweren Grippe und hatte keinen Appetit mehr. Auch drei Wochen nach dem Vorfall war sie nicht vollständig gesund und klagte über Kopfschmerzen.

Es gibt sicherlich viele solcher Fälle wie Frieda auf der Welt. Menschen, die sich manchmal mehr um andere sorgen als um sich selbst. Menschen, die wirklich traurig sind, wenn es jemandem, den sie vielleicht gar nicht kennen, schlecht geht. Menschen, die lieben und die sich um andere kümmern anstatt nur ihre eigenen „Probleme“ zu beachten. Menschen wie Frieda. Und es ist gut, dass es diese Menschen gibt, denn sie machen unsere Welt besser.

Dennoch sehen wir am Beispiel von Frieda, dass übersteigerte bzw. unverhältnismäßige Trauer uns selbst schädigen kann. Ich sage nicht, dass wir nicht trauern sollen, wenn ein Familienmitglied oder irgendjemand anderes stirbt, sondern ich sage wir sollen nicht zuviel trauern. Wir müssen Kummer und Leid, so schwer es auch fällt, limitieren.

Es wäre für Frieda besser gewesen, wenn sie nach ca. 3 Tagen aufgehört hätte sich zu sorgen und ihr Leben weitergelebt hätte, den erstens ist passiert, was passiert ist, und zweitens schadet ihr Kummer ihr selbst. Wenn jemand tot ist, ist das so und keine Macht der Welt kann ihn zurückbringen. Sie müssen Ihr Leben im Jetzt leben und nicht in der Vergangenheit, denn sonst wird der seelische Kummer und die Last den gesamten Organismus anstecken und sie werden krank. Wenn Sie nie aufhören zu trauern, wird Sie dass relativ früh ins Grab bringen.

Unsere Geisteshaltung und unsere emotionale Verfassung wirkt sich unmittelbar auf unseren Körper aus. Ich wäre der Letze, der behauptet, man solle über verstorbene Familienangehörige nicht trauern und stattdessen egozentrisch sein. Auch ich habe geliebt Menschen verloren, die mir sehr viel bedeutet haben, aber ich trauere nicht mehr. Wenn ich an sie denke, erinnere ich mich an die gute Zeit, die wir miteinander verbracht haben und an das Besondere an dieser Person. Ich bin stolz und dankbar diesen Menschen in meinem Leben getroffen zu haben und seine Gesellschaft genossen zu haben. Wenn ich an verstorbene Familienangehörige oder Freunde denke, lächle ich anstatt zu weinen. Sie hätte es so gewollt, denn Ihre Geliebten möchten, dass es Ihnen auch ohne sie gut geht und dass Sie glücklich sind.

Außerdem glaube ich, dass jemand erst stirbt, wenn man aufhört an ihn zu denken. Erst wenn kein Mensch auf unserem Planeten an einen Verstorbenen mehr denkt, ist er meiner Ansicht nach tot. Heute sagt man oft wenn man von Ramses II. spricht, es geht um „Ramses den Großen“ oder „Den unsterblichen Pharao“ und dass ich auch richtig, denn es gibt viele Menschen, die sich noch an Ramses erinnern und an ihn denken, wenn sie seine Bauwerke bewundern – das macht ihn in unseren Gedanken unsterblich. Solange es Menschen gibt, die sich an die verstorbene Person erinnern – im positiven wie im negativen – lebt sie in einer anderen Welt weiter.

Lassen Sie sich deshalb nicht von der Trauer überwältigen, sonst fallen Sie ihr noch selbst zum Opfer. Sie können nicht mehr ändern, was geschehen ist. Leben Sie Ihr Leben weiter und denken sie regelmäßig an die Verstorbenen und versuchen Sie selbst ein solches Leben zu führen, dass man sich nach Ihrem Tod positiv an Sie erinnert.

Eine weitere schlechte Gewohnheit, die viele Friedas dieser Welt gemeinsam haben, ist sich über die vielen Grausamkeiten und Ungerechtigkeiten unserer Welt zu sorgen. So schaut Frieda regelmäßig die Nachrichten im Fernehen, wo sie hungernde Kinder, vergewaltigte Frauen und Opfer von Naturkatastrophen sieht. Das bringt sie zum Weinen und bereitet ihr viel Kummer, denn sie fühlt sich machtlos und hilfslos.

Außerdem liest Frieda in der Zeitung von getöteten Kleinkindern und erfährt dauernd von irgendwo neue grausame Geschichten, weshalb sie noch mehr trauert. So läuft das jahrelang und Frieda wird immer unglücklicher und ist oft krank.

Auch diesen Kummer müssen Sie begrenzen, falls Sie eine Frieda sind, denn damit schädigen Sie nur sich selbst und helfen niemandem. Man sollte Mitleid mit Menschen haben, die weniger Glück hatten als wir und es sollte uns nicht gleichgültig sein, was mit anderen Menschen passiert. Wir sollten jedem helfen, dem wir helfen können.

Aber Sie können nicht für Millionen menschlicher Schicksale und unvorstellbare Katastrophen, die auf der Welt vorkommen, trauern – soviel Kummer und Sorgen verträgt das gutmütigste Herz nicht. Hören Sie auf ständig die Nachrichten zu schauen und über die negativen Dinge in der Welt zu denken. Versuchen Sie zu helfen, wo Sie können, aber begrenzen Sie Ihren Kummer.

Erzählen Sie nicht ständig von entführeten Kindern und Massenmördern oder von Hungerkatastrophen. Sie sind nur ein Mensch. Ihre Aufgabe ist es nicht das Leid der Welt in sich aufzunehmen – sondern es zu lindern. Denken Sie auch an die vielen positiven Dinge in unserer Welt. Wieviele Flugzeuge starten und landen jeden Tag ohne abzustürzen? Wie sicher ist das Land, in dem wir leben, im Vergleich zu den meisten anderen? Konzentrieren Sie sich auf das Positive anstatt aufs Negative im Leben und auf der Welt, sonst gehören Sie bald zu den Leuten, über die man sich sorgen muss.

Leben Sie Ihr Leben!

Viel Erfolg!

 

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