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Vor einigen Tagen habe ich das Buch “Die 4-Stunden-Woche” gekauft, von dem derzeit viele Menschen sprechen. Es ist ein Bestseller und das finde ich negativ. Meistens warte ich bis sich die Begeisterung gelegt hat und die Tatsache allein wie oft ein Buch verkauft wurde, hat nichts mit seinem Inhalt zu tun.

Oft ist es sogar der Fall, dass Bestseller schlechte Bücher sind - sie erhalten ihren Bestsellerstatus lediglich durch gutes Marketing. (Bei Zahnpasta denkt man schließlich auch nicht, dass “die meistverkaufte Zahnpasta auch am besten vor Karies schützt…). Deshalb war ich auch in diesem Fall vorsichtig, aber wie sich zeigte zu Unrecht.

Timothy Ferris geht von der Grundannahme aus, dass die Menschen gar keine Millionäre sein wollen, sondern nur die Dinge tun wollen, die man sich als Millionär leisten kann. Es geht ihnen nicht um das Geld, sondern um den Lebensstil - sie wollen so leben wie ein reicher Mensch. Ferris spricht von den “Neuen Reichen“, zu denen er sich selbst zählt und behauptet, dass der perfekte Beruf derjenige ist, der am wenigsten Zeit in Anspruch nimmt.

Alle diese Behauptungen sind falsch. Nicht alle Menschen wollen so leben wie Millionäre - ich bevorzuge beispielsweise einen spartanischen Lebensstil und bin kein Freund von Luxus. Außerdem gibt es sehr wohl Menschen, die wegen anderer Gründe viel Geld verdienen wollen, wie um ihre Familie zu unterstützen, der Gemeinschaft zu dienen oder einfach um reich zu sein.

Der in “Die 4-Stunden-Woche” als Ideal dargestellte Lebensstil ist meiner Meinung nach auch Unsinn. Es geht vor allem darum so wenig wie möglich zu arbeiten und möglichst viel zu leben. Das ist ein gutes Ziel, aber den Fehler, den Ferriss macht, ist die Arbeit vom Spaß zu trennen. Es geht für ihn darum so wenig wie möglich arbeiten zu müssen, damit man sich soviel wie möglich vergnügen kann.

Aber was ist, wenn man seine Arbeit liebt? Warum sollte man seiner Arbeit ausweichen, wenn man das tut, was man liebt? Ich halte nichts davon, weil ich an harte Arbeit glaube und halte mich viel lieber an Leute wie John D. Rockefeller, Alfred Krupp und Werner von Siemens, anstatt an die “Neuen Reichen”. Vielleicht bin ich auch einfach zu altmodisch, aber ich kann keinen Grund erkennen vor Arbeit zu fliehen.

Ich stimme Ferriss jedoch zu, wenn er sagt, dass viele Menschen mehr arbeiten mit mehr Produktivität und Erfolg gleichsetzen und viele ein langweiliges Leben führen damit sie sich im Ruhestand eine Auszeit und Freude gönnen können. Er schreibt weiter sehr richtig, dass man seine Träume nicht aufschieben sollte, denn die “richtige” Zeit, um das zu tun, was man will, ist niemals.

Ich habe folgende sehr wichtige Dinge in dem Buch gelernt:

  • Wenn man sich ein großes Ziel setzt, hat man viel weniger Konkurrenz - vor allem deshalb, weil sich die meisten Menschen nicht trauen große zu denken und zu träumen.
  • Knüpfen Sie Kontakte zu den großen, reichen und berühmten Menschen. Finden Sie Personen, die Ihr Ziel bereits erreicht haben und fragen Sie sie um Rat, anstatt alles selbst lernen zu wollen.
  • Seien Sie streng mit der Einteilung und Nutzung Ihrer Zeit. Ich habe zwar schon früher geschrieben, dass Zeit unsere wertvollste Ressource ist (vor Geld), aber Timothy Ferriss zeigt auf was die Konsequenz daraus ist, denn es hat Folgen, wenn man seine Zeit als sehr wertvoll ansieht.
  • Wie man einen Großteil seiner Arbeit an andere auslagert. Auch wenn viele Menschen behaupten, dass das nur in englischsprachigen Ländern funktioniert, bin ich anderer Ansicht. Man kann auch von hier viele Dinge ins Ausland auslagern.

Einen Punkt, mit dem sich Ferriss in “Die 4-Stunden-Woche” ausführlich behandelt ist Produktivität. Er warnt davor die Arbeit um der Arbeit willen zu tun. Man sollte sich deshalb immer überlegen, wie man seinem Ziel näher kommen kann (unter Anwendung vom 80/20-Prinzip) und sich auf seine Stärken konzentrieren.

Im ersten Teil dieses Artikels war ich möglicherweise zu streng (das Buch beginnt mit einem reich schlechten Start). Besonders faszinierend in “Die 4-Stunden-Woche” finde ich die Frage: “Welche Dinge bringen mich am meisten voran?” Es geht darum aufzuhören geschäftig zu sein, indem man beispielsweise oft seine Emails liest oder mit nervigen Kunden telefoniert (obwohl sie dennoch nichts kaufen) und stattdessen wirklich produktiv zu sein.

Es geht um zielgerichtetes Handeln und darum seine Prioritäten richtig zu wählen. “Die 4-Stunden-Woche” ist in dieser Hinsicht wirklich revolutionär. Es handelt sich zwar um ein Zeitmanagementbuch, aber die Tipps zum Zeitmanagement sind durchaus radikal und oft ungewöhnlich. Aber das ist auch notwendig, wenn man mehr von seinem Leben haben will - es geht darum streng bei der Auswahl der Dinge zu sein, die man tut.

Timothy Ferriss gibt viele Beispiele aus seinem eigenen Leben und aus dem von anderen Menschen. “Die 4-Stunden Woche” ist allerdings sowohl für Unternehmer (Ferriss ist selbstständig) als auch für Angestellte und man erhält konkrete Tipps, die man anwenden kann.

In “Die 4-Stunden-Woche” erfahren Sie:

  • Wie Sie weniger arbeiten und trotzdem mehr Geld verdienen (auch als Angestellter).
  • Wie Sie Aufgaben delegieren und Vieles auslagern können.
  • Wie Sie automatisierte Systeme im Leben schaffen, die ohne Sie laufen.
  • Wie Sie viel reisen und ausreichend Geld im Leben haben - ohne Millionen zu besitzen.
  • Was andere getan haben, um ihr Traumleben zu führen.
  • Außerdem verweist das Buch auf viele Quellen und Hilfsmittel, die Ihnen dabei helfen (v.a. Internetseiten).

“Die 4-Stunden-Woche” ist ein Pflichtbuch für Unternehmer und Menschen, die sich selbstständig machen wollen (besonders für Leute, die im Internet Geld verdienen wollen). Es wird unter anderem Schritt- für-Schritt erklärt, wie man Informationsprodukte verkauft, testet und Adwords optimiert.

Anschließend geht Ferriss darauf ein wie man dem alltäglichen Berufsleben entkommt und die Dinge tut, die man tun will, und dieser Abschnitt richtet sich an Angestellte (es ist nicht notwendig selbstständig zu werden!).

Der letzte Teil von “Die 4-Stunden-Woche” ist leider weniger interessant. Tim Ferriss scheint das Reisen mit einem glücklichem Leben gleichzusetzen und gibt ausführliche Reisetipps. Er hat ein recht außergewöhnlichen Lebensstil und der besteht zu einem großen Teil aus Reisen und Abenteuer. Möglich wird das durch die Anwendung der Strategien aus dem Buch und seinem Unternehmen (das sehr gut ohne ihn auskommt).

Der Schreibstil des Buches ist gewöhnungsbedürftig und ich denke Ferriss redet zuviel über sich und sein Leben, aber davon abgesehen ist es sehr gut und enthält viele praktische Tipps, um seine Zeit besser zu nutzen. “Die 4-Stunden-Woche” wird in meinem Bücherregal nicht neben Napolen Hill stehen, aber es ist ein Buch, das ich wiederlesen und benutzen werde. Es eignet sich vor allem für Menschen, die Schwierigkeiten damit haben effektiv zu arbeiten und sich überlastet fühlen. Man lernt sein Leben und seine Arbeitsweise zu hinterfragen und wird mit Sicherheit etwas Hilfreiches darin erfahren. Fazit: Empfehlenswert.

Auch wenn meine Rezension vielleicht auf den ersten Blick nicht begeistert ausfällt, ist “Die 4-Stunden-”Woche” dennoch ein Buch, das meine Theorie von den Bestsellern widerlegt. Dieses Buch ist gut und wenn es nicht empfehlenswert wäre und ich es in meinem eigenen Bücherschrank hätte, hätte ich auch nicht darüber geschrieben. Auf jeden Fall eine gute Quelle für alle, die ihr Zeitmanagement verbessern wollen.

 

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  • 2 Kommentare zu “Die 4-Stunden-Woche - Timothy Ferriss - Mehr Geld, Mehr Zeit, Mehr Leben”

    1. Oliver Springer sagt:

      Den Lebensstil vom Tim Ferris halte ich für mich persönlich auch nicht für erstrebenswert, aber dass er so viel über sein eigenes Leben spricht, erhöht die Anschaulichkeit und nicht zuletzt die Lesbarkeit. Es liest sich sehr gut, es macht Spaß, es zu lesen.

      Gerade der Schreibstil ist sehr ansprechend, auch von daher kann ich “Die 4-Stunden-Woche” sehr empfehlen.

      Was den Punkt angeht, was man tun sollte, wenn man seine Arbeit liebt: Tim Ferris geht es darum, dass man nicht mehr als ein Minimum an Zeit für Arbeit aufwenden muss (!) - man darf schon mehr Zeit investieren. Diese Arbeit sichert das Einkommen - alles darüber hinaus tut man freiwillig, das können auch Tätigkeiten sein, mit denen Menschen ihr Geld verdienen. Der Antrieb ist dann dabei jedoch ein anderer.

      Ich stimme allerdings zu, dass Tim Ferris in der “4-Stunden-Woche” schon davon auszugehen scheint, dass Arbeit nicht das ist, was man aus Freude tut. Nur: Bei sehr vielen Menschen ist es so. Insofern würde ich ihm das nicht vorwerfen wollen.

      Der Kritik mit dem Reisen und dem Abenteuer schließe ich mich an, das ist für mich auch nicht erstrebenswert und das wird anderen Menschen auch so gehen.

      Nicht mehr an einen Ort gebunden zu sein, jederzeit woanders leben zu können (!) ist dennoch ein reizvoller Gedanke.

      Vielleicht möchten nicht alle Menschen wie Millionäre leben. Das Aha-Erlebnis wird jedoch dadurch nicht geschmälert: Um einen bestimmten Lebensstil zu verwirklichen, braucht man viel weniger Geld als allgemein angenommen wird.

      FAZIT: Trotz ein paar Schwächen ist das Buch absolut zu empfehlen.

    2. Felix sagt:

      Sehr schöne Rezension!
      Ich halte eine wirkliche 4-Stunden-Woche für schwer erreichbar. Außerdem muss die Gewinnspanne schon sehr groß sein, wenn man wirklich ALLE Tätigkeiten, die Zeit erfordern, outsourct.
      Allerdings gebe ich ihm vollkommen recht: Eines meiner Ziele ist, arbeiten zu können, wann und von wo aus ich will. Das ist für mich eine Definition von Freiheit. Und ich glaube schon, dass Arbeit noch so sehr Spaß machen kann, mit seiner Familie am Strand spazieren gehen würden trotzdem die meisten Menschen vorziehen :-)

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